ISO-Passungs-Assistent (DIN ISO 286)
Berechnen Sie Toleranzfelder, Grenzmaße und Passungsarten für Wellen und Bohrungen
Konfiguration
Passungsanalyse: Spielpassung
In Toleranzkette übernehmen
Rechenweg & Nachweis
ISO-Passungen nach DIN ISO 286 berechnen
Eine Passung beschreibt, wie eine Welle und eine Bohrung zusammenspielen, wenn beide innerhalb ihrer Fertigungstoleranzen liegen. Sie entsteht immer aus zwei Toleranzfeldern: einem für die Bohrung (Großbuchstabe, etwa H7) und einem für die Welle (Kleinbuchstabe, etwa g6). Der Buchstabe legt die Lage des Toleranzfelds zur Nulllinie fest, die Zahl den Grundtoleranzgrad IT und damit die Feldbreite.
In der Praxis arbeitet man fast immer nach dem System Einheitsbohrung: Die Bohrung bekommt das Feld H, ihr unteres Abmaß liegt also auf der Nulllinie, und der gewünschte Charakter der Passung wird allein über die Welle eingestellt. Das spart Werkzeuge, denn Reibahlen und Lehrdorne sind für H-Felder Standardware.
Die eigentliche Passungsberechnung läuft danach immer nach demselben Schema ab: beide Toleranzfelder wählen, die vier Grenzabmaße dazu bestimmen und daraus Spiel oder Übermaß der Paarung bilden. Genau diese drei Schritte nimmt Ihnen der Rechner oben ab.
Formeln für Spiel und Übermaß
Aus den vier Grenzabmaßen ergeben sich die beiden Kennwerte der Passung. ES und EI sind das obere und untere Abmaß der Bohrung, es und ei die der Welle:
Höchstspiel PH = ES − ei Mindestspiel PM = EI − es Ein negatives Ergebnis bedeutet Übermaß statt Spiel.Fallen beide Werte positiv aus, liegt eine Spielpassung vor: Die Teile lassen sich immer fügen. Sind beide negativ, ist es eine Presspassung, die Welle ist also in jedem Fall dicker als die Bohrung. Liegt ein Wert über und einer unter null, spricht man von einer Übergangspassung — je nach Ist-Maß der konkreten Teile entsteht Spiel oder Übermaß.
Rechenbeispiel: Ø 30 H7/g6
Bohrung 30 H7: Im Nennmaßbereich über 18 bis 30 mm beträgt die Grundtoleranz IT7 = 21 µm. Weil H das untere Abmaß auf die Nulllinie legt, gilt EI = 0 µm und ES = +21 µm.
Welle 30 g6: Hier ist IT6 = 13 µm, das obere Abmaß des Feldes g liegt bei es = −7 µm. Daraus folgt ei = −7 µm − 13 µm = −20 µm.
Höchstspiel: 21 µm − (−20 µm) = 41 µm
Mindestspiel: 0 µm − (−7 µm) = 7 µm
Die Paarung hat also unter allen Umständen Spiel, zwischen 7 und 41 µm. Das ist der klassische Gleitsitz für Lagerstellen, die sich drehen sollen, aber nicht wackeln dürfen.
Welche Passung wofür?
- H7/g6 — Gleitsitz mit sicherem Spiel, etwa für Gleitlager und geführte Bolzen.
- H7/h6 — Schiebesitz, fügbar von Hand, praktisch ohne Spiel bei Höchstmaßen.
- H7/k6 — Übergangspassung für zentrierende Verbindungen, die noch zerlegbar bleiben sollen.
- H7/n6 — fester Übergangssitz, montiert wird gedrückt oder mit leichtem Temperaturunterschied.
- H7/p6 und enger — Presssitz für Verbindungen, die dauerhaft Drehmoment ohne Passfeder übertragen.
Häufige Fragen
Was bedeutet H7 genau?
Der Buchstabe H sagt, dass das untere Abmaß der Bohrung genau auf dem Nennmaß liegt, die Bohrung also nie kleiner als das Nennmaß wird. Die 7 steht für den Grundtoleranzgrad IT7, der die Breite des Toleranzfelds festlegt. Diese Breite hängt vom Nennmaß ab: Bei 30 mm sind es 21 µm, bei 100 mm bereits 35 µm.
Wie unterscheiden sich Spiel-, Übergangs- und Presspassung?
Entscheidend ist, ob sich die beiden Toleranzfelder überlappen. Liegen sie vollständig getrennt mit der Welle unterhalb der Bohrung, gibt es immer Spiel. Überlappen sie sich teilweise, entscheidet das Ist-Maß der konkreten Teile — das ist die Übergangspassung. Liegt die Welle vollständig oberhalb, entsteht in jedem Fall Übermaß.
Warum sind Wellen meist eine IT-Stufe feiner als Bohrungen?
Eine Welle lässt sich beim Drehen und Schleifen leichter genau fertigen und auch leichter messen als eine Bohrung. Deshalb kombiniert man üblicherweise IT7 für die Bohrung mit IT6 für die Welle: Man erreicht eine engere Gesamtpassung, ohne die teure Bohrungsbearbeitung weiter verschärfen zu müssen.
Was ist der Unterschied zwischen Einheitsbohrung und Einheitswelle?
Bei der Einheitsbohrung bleibt die Bohrung immer H und die Welle variiert. Bei der Einheitswelle ist es umgekehrt: Die Welle bleibt h, die Bohrung wechselt. Die Einheitswelle lohnt sich vor allem dort, wo eine durchgehende gezogene Stange mehrere Bauteile mit unterschiedlichem Sitz trägt, etwa bei Transportrollen.
Welche Passung für ein Kugellager auf der Welle?
Entscheidend ist, ob der Ring Umfangs- oder Punktlast trägt. Der mitdrehende Innenring auf der Welle trägt Umfangslast und braucht Übermass: k6 bei normaler Belastung, m6 oder n6 bei hoher Last und größeren Lagern. Der stehende Außenring im Gehäuse trägt Punktlast und wird mit H7 eingebaut, damit er sich zum Längenausgleich noch verschieben kann. Dreht stattdessen das Gehäuse, kehrt sich die Zuordnung um.
Wie groß ist das Spiel bei H7/g6 und 20 mm?
Bei 20 mm (Nennmaßbereich über 18 bis 30 mm) ist IT7 = 21 µm und IT6 = 13 µm. Die Bohrung H7 liegt damit bei +21/0 µm, die Welle g6 bei −7/−20 µm. Das Spiel beträgt also mindestens 7 µm und höchstens 41 µm. Zum Vergleich dieselbe Bohrung mit h6: 0 bis 34 µm Spiel.
Welche Passung für Zylinderstifte und Passschrauben?
Zylinderstifte nach ISO 2338 werden in der Toleranz m6 gefertigt und in eine H7-Bohrung geschlagen — das ergibt einen festen Sitz, der sich noch austreiben lässt. Für häufig gelöste Verbindungen nimmt man stattdessen h8 in H7, also Spielsitz, und sichert die Lage über einen zweiten Stift. Passschrauben sitzen üblicherweise mit k6 in H7.
Die gebräuchlichen Passungen im Einzelnen
Zu jeder empfohlenen Paarung gibt es eine Seite mit den Grenzabmaßen über alle Nennmaßbereiche von 1 bis 500 mm und einem Hinweis, wofür sie gedacht ist: H7/h6, H7/g6, H7/f7, H7/js6, H7/k6, H7/m6, H7/n6, H7/p6, H7/s6, H8/f7, H11/c11. Im System Einheitswelle etwa G7/h6, K7/h6 und P7/h6.