Gewindetabellen & Kernloch-Rechner
Ermitteln Sie Kernlochbohrungen, Steigungen und Flankendurchmesser für ISO-Regel- und Feingewinde nach DIN 13-1
Gewindeauswahl
Geometriedaten & Bohrwerte
Kernlochdurchmesser für metrische Gewinde bestimmen
Vor jedem Innengewinde steht eine Bohrung: das Kernloch. Ist es zu klein, bricht der Gewindebohrer oder das Gewinde reißt beim Schneiden aus. Ist es zu groß, trägt das Gewinde nicht mehr genug und die Verbindung verliert einen erheblichen Teil ihrer Auszugsfestigkeit. Der Bohrerdurchmesser ergibt sich aus dem Nenndurchmesser und der Steigung des Gewindes.
Formel und Faustregel
Für metrisches ISO-Gewinde gilt als Faustformel für Regel- und Feingewinde gleichermaßen:
Kernloch ≈ d − P d = Nenndurchmesser in mm, P = Steigung in mmDiese Regel führt rechnerisch auf etwa 100 % Gewindetragtiefe. In der Werkstatt bohrt man üblicherweise den nächsten Standardbohrer darüber, was auf rund 75 bis 80 % Tragtiefe hinausläuft. Das ist bewusst so gewählt: Die letzten Prozent Tragtiefe kosten überproportional viel Schnittkraft und Werkzeugverschleiß, bringen bei der Auszugsfestigkeit aber kaum noch etwas, weil vorher ohnehin die Schraube selbst versagt.
Rechenbeispiel: M8 Regelgewinde
Gegeben: M8 mit Regelsteigung P = 1,25 mm
Rechnerisch: 8 mm − 1,25 mm = 6,75 mm
In der Praxis: gebohrt wird mit 6,8 mm, dem nächsten gängigen Bohrerdurchmesser.
Beim Feingewinde M8×1 wäre das Kernloch dagegen 8 mm − 1 mm = 7 mm. Die kleinere Steigung lässt also mehr Material stehen — ein Grund, warum Feingewinde in dünnwandigen Bauteilen bevorzugt werden.
Wie tief muss das Gewinde sein?
Als Anhaltswert für die tragende Einschraublänge in Sacklöchern gilt, abhängig vom Werkstoff des Bauteils:
- Stahl: etwa 1 × d
- Guss: etwa 1,25 × d
- Aluminium: etwa 1,5 bis 2 × d
Dazu kommt beim Sackloch ein Auslauf von zwei bis drei Gewindegängen, weil der Gewindebohrer sein Profil nicht bis zum letzten Gang ausformt. Wer knapp plant, bekommt am Grund ein Gewinde, in das die Schraube nicht vollständig einläuft.
Häufige Fragen
Welcher Bohrer für M6, M8 und M10?
Für Regelgewinde sind die üblichen Werte 5,0 mm bei M6 (P = 1,0), 6,8 mm bei M8 (P = 1,25) und 8,5 mm bei M10 (P = 1,5). Die Tabelle oben gibt die Werte für alle Größen von M1 bis M64 aus, jeweils für Regel- und Feingewinde.
Was ist der Unterschied zwischen Regel- und Feingewinde?
Beim Feingewinde ist die Steigung kleiner, das Gewinde also flacher und dichter. Es hält besser gegen selbsttätiges Losdrehen, verträgt dünnere Wandstärken und erlaubt feinere Einstellungen. Dafür ist es empfindlicher gegen Beschädigung und Schmutz und braucht mehr Umdrehungen bei der Montage.
Warum weicht der Tabellenwert von der Formel ab?
Die Formel d − P liefert oft krumme Maße wie 6,75 mm. Bohrer gibt es aber in genormten Abstufungen. Die Tabellen greifen deshalb den nächsten verfügbaren Durchmesser auf, was gleichzeitig die Schnittkraft beim Gewindeschneiden senkt.
Gilt die Formel auch für Gewindeformen ohne Spanabnahme?
Nein. Beim Gewindefurchen wird das Material verdrängt statt geschnitten, das Kernloch muss deshalb deutlich größer sein — typischerweise etwa d − 0,55 · P. Ein mit der Schneidformel gebohrtes Loch führt beim Furchen zu extremen Drehmomenten und meist zum Werkzeugbruch.
Welches Kernloch braucht ein Feingewinde M8×1?
7,0 mm. Die Näherung Kernloch = d − P gilt für Fein- wie Regelgewinde: 8 − 1 = 7,0 mm gegenüber 6,8 mm beim Regelgewinde M8 mit P = 1,25. Das Feingewinde hat also den größeren Kernquerschnitt und trägt mehr, ist dafür empfindlicher gegen Beschädigung. Alle Werte je Größe stehen unter /gewinde/m8 und entsprechend.
Wie tief muss ein Gewinde in Aluminium sein?
Als Anhalt für die Einschraubtiefe: rund 1,0 · d in Stahl gleicher Festigkeit, 1,25 · d in Gusseisen, 1,4 bis 2,0 · d in Aluminium und 2,0 · d in Kunststoff. Der Grund ist die geringere Scherfestigkeit des Mutterngewindes — es soll die Schraube tragen, bis diese selbst versagt, nicht vorher ausreißen. Für M8 in Aluminium heißt das etwa 12 bis 16 mm nutzbare Gewindelänge.
Welcher Bohrer für ein Durchgangsloch bei M8?
Nach DIN EN 20273 gibt es drei Reihen: fein 8,4 mm, mittel 9,0 mm, grob 10,0 mm. Die mittlere Reihe ist der übliche Fall. Nicht zu verwechseln mit dem Kernloch für das Gewinde selbst, das bei M8 bei 6,8 mm liegt — Durchgangsloch und Kernloch werden in der Praxis häufig vertauscht.
Einzelne Größen im Detail
Jede Gewindegröße hat eine eigene Seite mit Kernloch, Flanken- und Kerndurchmesser, Spannungsquerschnitt, Einschraubtiefen und den Anziehmomenten für 8.8, 10.9 und 12.9: M3, M4, M5, M6, M8, M10, M12, M14, M16, M20, M24, M30. Feingewinde ebenso, etwa M8x1, M10x1 oder M12x1,5. Von dort führt eine Übersicht zu allen übrigen Größen.