Normen- & Fertigungs-Assistent
Ermitteln Sie Normtoleranzen und fügen Sie diese direkt in Ihre Toleranzkette ein
Parameter
Wählen Sie Nennmaß und Herstellungsverfahren aus
Berechnete Toleranz
Spanen & Blech (DIN ISO 2768 / DIN 6930)
Allgemeintoleranzen für klassische mechanische Bearbeitung. ISO 2768-m gilt für Standard-Fräs- und Drehteile. Die DIN 6930-m regelt die fertigungsbedingten Abweichungen beim Stanzen und Biegen von Blechteilen.
Urformen (ISO 20457 / ISO 8062)
Maßtoleranzen für Guss- und Formteile. Klasse TG4 (ISO 20457) ist der Standard für formgeschundene Kunststoffkomponenten. Für faserverstärkte Kunststoffe werden typischerweise die gröberen Klassen TG5 und TG6 verwendet. Grad DCTG6 (ISO 8062) gilt für prozessstabilen Aluminium-Seriendruckguss.
Zuschnitt & Thermo-Trennverfahren (ISO 9013)
Gilt für flache Bauteile, Rahmen und Dichtungsplatten, die per Laser- oder Wasserstrahlschneiden gefertigt werden. Berücksichtigt die materialspezifischen Toleranzfelder moderner CNC-Schneidanlagen.
Additive Fertigung & 3D-Druck (Empirisch)
FDM-Verfahren (PLA/PETG) eignen sich ideal für frühe Funktionsprototypen. Industrielle SLS- (Sintering) und SLA-Verfahren (Resin/Harz) bieten durch eine minimierte Grundtoleranz signifikant höhere Bauteilpräzision.
Allgemeintoleranzen nach DIN ISO 2768 und ISO 20457
Nicht jedes Maß auf einer Zeichnung bekommt eine eigene Toleranzangabe — das wäre unübersichtlich und unwirtschaftlich. Stattdessen verweist das Schriftfeld auf eine Allgemeintoleranz, die für alle Maße ohne eigene Angabe gilt. Sie ist damit eine der folgenreichsten Zeilen der ganzen Zeichnung: Sie bestimmt still, wie genau der überwiegende Teil des Bauteils gefertigt werden muss.
Die Toleranzklassen für Längenmaße
- f — fein: für Präzisionsteile, entsprechend hoher Fertigungsaufwand
- m — mittel: der übliche Standard im allgemeinen Maschinenbau
- c — grob: für untergeordnete Maße und einfache Bearbeitung
- v — sehr grob: für Brennschnitte, Schweißkonstruktionen und Rohteile
Die zulässige Abweichung wächst mit dem Nennmaß in Stufen. Ein Maß von 30 mm hat in Klasse m eine deutlich engere Toleranz als ein Maß von 300 mm — die Norm bildet damit ab, dass große Teile schwerer genau zu fertigen sind.
Was die zweite Angabe bedeutet
Die vollständige Angabe lautet meist DIN ISO 2768-mK. Der Kleinbuchstabe steht für die Längenmaßtoleranzen, der Großbuchstabe für die Form- und Lagetoleranzen: H ist die feinste Klasse, K die mittlere, L die gröbste. Sie regeln Geradheit, Ebenheit, Rechtwinkligkeit, Symmetrie und Rundlauf ohne eigenen Toleranzrahmen in der Zeichnung. Fehlt der Großbuchstabe, sind Form und Lage schlicht nicht begrenzt — ein häufiger und teurer Zeichnungsfehler.
Spritzguss: ISO 20457
Für Kunststoff-Formteile gilt eine eigene Systematik, weil hier andere Effekte dominieren: Schwindung, Verzug und Werkzeugtemperatur. ISO 20457 unterscheidet deshalb zwischen werkzeuggebundenen Maßen, die vollständig durch eine Kavität entstehen, und nicht werkzeuggebundenen Maßen, die über die Schließebene laufen und deshalb zusätzlich vom Schließverhalten abhängen. Letztere bekommen grundsätzlich weitere Toleranzen.
Häufige Fragen
Welche Toleranzklasse soll ich wählen?
Im allgemeinen Maschinenbau ist mK die verbreitete Vorgabe und für die meisten Bauteile angemessen. Feiner als f wird über die Allgemeintoleranz ohnehin nicht geregelt — funktionskritische Maße bekommen eine eigene Toleranz oder eine ISO-Passung. Wer pauschal f vorschreibt, verteuert die Fertigung an Stellen, an denen es keinen Nutzen bringt.
Gilt die Allgemeintoleranz auch für Passungsmaße?
Nein. Sobald ein Maß eine eigene Toleranzangabe trägt — sei es ein ISO-Toleranzfeld wie H7 oder ein Grenzabmaß — gilt ausschließlich diese. Die Allgemeintoleranz greift nur dort, wo nichts anderes angegeben ist.
Was passiert bei Überschreitung der Allgemeintoleranz?
Die Norm unterscheidet hier bewusst: Eine Überschreitung führt nicht automatisch zur Zurückweisung, sofern die Funktion des Bauteils nicht beeinträchtigt ist. Das ist eine ausdrückliche Erleichterung gegenüber eingetragenen Toleranzen, deren Verletzung immer ein Mangel ist.
Ist DIN ISO 2768 noch aktuell?
Sie wurde zurückgezogen und formal durch DIN EN ISO 22081 abgelöst, die statt fester Tabellen eine allgemeine geometrische Spezifikation vorsieht. In der Praxis ist der Verweis auf DIN ISO 2768 aber weiterhin allgegenwärtig, weil er einfach zu handhaben und in bestehenden Zeichnungssätzen fest verankert ist.
Welche Toleranz hat ein Maß von 50 mm nach ISO 2768-m?
±0,3 mm. Die Klasse m (mittel) staffelt so: 0,5 bis 3 mm ±0,1; über 3 bis 6 mm ±0,1; über 6 bis 30 mm ±0,2; über 30 bis 120 mm ±0,3; über 120 bis 400 mm ±0,5; über 400 bis 1000 mm ±0,8. In der Klasse f (fein) wären es bei 50 mm ±0,15, in c (grob) ±0,8.
Was bedeutet die Angabe ISO 2768-mK?
Zwei Klassen in einer Angabe: der Kleinbuchstabe gilt für Längen- und Winkelmaße (Teil 1), der Großbuchstabe für Form und Lage (Teil 2). m ist die mittlere Längentoleranzklasse, K die mittlere Klasse für Geradheit, Ebenheit, Rechtwinkligkeit, Symmetrie und Rundlauf. Fehlt der Großbuchstabe, sind Form- und Lagetoleranzen nicht allgemein festgelegt.
Welche Toleranz gilt für Fasen und Radien?
Für Rundungshalbmesser und Fasenhöhen gilt eine eigene, deutlich gröbere Tabelle: in den Klassen f und m ±0,2 mm bis 3 mm, ±0,5 mm über 3 bis 6 mm und ±1 mm darüber. In c und v verdoppeln sich diese Werte. Eine mit 1×45° angeschriebene Fase darf nach ISO 2768-m also zwischen 0,8 und 1,2 mm liegen.