11SMn30 (1.0715)
Automaten- und Federstahl nach EN 10087 · kaltgezogen (+C), d 16–40 mm
Dichte 7,85 g/cm³ · E-Modul 210 GPa · Ausdehnung 12 · 10⁻⁶/K. Gültig für kaltgezogen (+C), d 16–40 mm.
Mechanische und physikalische Kennwerte
| Kennwert | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Zugfestigkeit Rm | 430–630 MPa | höchste ertragene Spannung im Zugversuch |
| Streckgrenze Rp0,2 | 305 MPa | ab hier bleibt Verformung zurück — die Größe, gegen die ausgelegt wird |
| Bruchdehnung A | 7 % | Verlängerung der Probe bis zum Bruch — ein Maß für die Zähigkeit |
| Härte | 110–170 HB | Richtwert im angegebenen Zustand |
| Dichte ρ | 7,85 g/cm³ | Rundstab Ø 20 mm wiegt 2,47 kg/m |
| E-Modul | 210 GPa | bestimmt die Durchbiegung, nicht die Tragfähigkeit |
| Längenausdehnung α | 12 · 10⁻⁶/K | 1 m dehnt sich bei 100 K um 1,2 mm |
| Wärmeleitfähigkeit λ | 50 W/(m·K) | maßgeblich für Kühlung, Schweißen und Zerspanung |
| Spezifische Festigkeit | 68 kN·m/kg | Rm/ρ — die Kennzahl des Leichtbaus |
Die Festigkeitswerte gelten für den angegebenen Behandlungs- und Dickenzustand (kaltgezogen (+C), d 16–40 mm). Bei Stählen fällt die Streckgrenze mit zunehmender Erzeugnisdicke ab; Dichte, E-Modul und Ausdehnung sind davon unberührt. Für eine Nachweisrechnung gilt das Datenblatt des Lieferanten.
Bezeichnung, Norm und Zustand
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Werkstoffnummer | 1.0715 (EN 10027-2) |
| Kurzname | 11SMn30 (EN 10027-1) |
| Werkstoffgruppe | Automaten- und Federstahl |
| Norm | EN 10087 |
| Kennwerte gelten für | kaltgezogen (+C), d 16–40 mm |
| Andere Bezeichnungen | 11SMnPb30 (1.0718) · 9S20 · AISI 1213 |
Schweißen und Zerspanen
| Eigenschaft | Beurteilung |
|---|---|
| Schweißen | nicht schweißgeeignet — der Schwefel führt zu Rissen |
| Zerspanen | sehr gut, Bezugswerkstoff für die Zerspanbarkeit (100 %) |
Automaten- und Federstahl im Vergleich
| Werkstoff | Rm | Streckgrenze | Dichte | Rm/ρ |
|---|---|---|---|---|
| 11SMn30 (1.0715) | 430–630 MPa | 305 MPa | 7,85 g/cm³ | 68 |
| 51CrV4 (1.8159) | 1100–1300 MPa | 900 MPa | 7,85 g/cm³ | 153 |
Rm/ρ in kN·m/kg — die spezifische Festigkeit. Sie entscheidet dort, wo Masse zählt: Bei gleicher Bauteilmasse trägt der Werkstoff mit dem höheren Wert mehr, unabhängig davon, welcher die höhere Zugfestigkeit hat.
11SMn30 (1.0715) — wofür der Werkstoff genommen wird
Drehteile in Großserie auf Langdrehautomaten: Buchsen, Stifte, Nippel, Gehäuseteile ohne Festigkeitsanspruch.
Die gute Zerspanbarkeit kommt vom Schwefel, der als Mangansulfid den Span bricht — und derselbe Schwefel macht den Stahl unschweißbar und quer zur Walzrichtung spröde. Automatenstahl ist ein Fertigungswerkstoff, kein Konstruktionswerkstoff.
Was die Zahlen praktisch bedeuten
Mit 7,85 g/cm³ liegt die Dichte auf dem Wert, mit dem im Stahlbau gerechnet wird. Ein Rundstab Ø 20 mm wiegt 2,47 kg je Meter — für andere Abmessungen rechnet das der Halbzeug-Gewichtsrechner.
Der E-Modul von 210 GPa bestimmt, wie weit sich ein Bauteil unter Last durchbiegt — nicht, wie viel es trägt. Beides zu verwechseln ist der häufigste Fehler bei der Werkstoffwahl: Ein festerer Stahl macht einen Träger nicht steifer. Was er unter Last tut, zeigt die Trägerbiegung; die Querschnittswerte dazu liefert das Flächenträgheitsmoment.
Mit α = 12 · 10⁻⁶/K dehnt sich ein Meter bei 100 K Erwärmung um 1,2 mm. Das ist der Grund, weshalb Passungen zwischen verschiedenen Werkstoffen im Betrieb wandern — wie stark, rechnet der Wärmeausdehnungs-Rechner, die Auswirkung auf die Fügestelle der ISO-Passungsrechner.
Die Härte von 110–170 HB lässt sich mit dem Härte-Umrechner in HRC und HV umwerten — und näherungsweise in die Zugfestigkeit, denn bei Stählen gilt Rm ≈ 3,5 · HB. Die Schnittwerte für die Bearbeitung stellt der Schnittdaten-Rechner zusammen.
Weitere Werkstoffe: Automaten- und Federstahl
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