Anzugsmoment M27 10.9
Metrisches Regelgewinde, Steigung 3 mm — gerechnet nach VDI 2230
Vorspannkraft 315880 N bei 459,4 mm² Spannungsquerschnitt und Rp0,2 = 940 MPa, ausgenutzt zu 90 %.
Moment über die Reibungszahl
| Reibungszahl µ | Anziehmoment MA | Vorspannkraft FM | Oberflächenzustand |
|---|---|---|---|
| 0,08 | 1072 Nm | 351980 N | MoS₂-Paste oder Wachs |
| 0,10 | 1255 Nm | 340390 N | geölt, Stahl auf Stahl |
| 0,12 | 1421 Nm | 328250 N | leicht geölt oder verzinkt und geölt |
| 0,14 | 1570 Nm | 315880 N | blank, leicht geölt — Bezugswert der VDI-2230-Tabellen |
| 0,16 | 1704 Nm | 303540 N | trocken und entfettet |
| 0,20 | 1928 Nm | 279610 N | trocken, verzinkt oder phosphatiert |
Der Reibwert entscheidet, nicht die Formel: zwischen µ = 0,08 und µ = 0,20 liegt beim gleichen Bauteil Faktor 1,8 im Moment. Der Grund ist, dass nur rund ein Zehntel des aufgebrachten Moments als Vorspannkraft ankommt — der weitaus größte Teil überwindet Reibung im Gewinde und unter dem Kopf. Die Zuordnung der Zustände ist ein Richtwert; µ streut auch bei gleicher Paarung erheblich, verbindlich ist nur ein gemessener oder in der Zeichnung vorgeschriebener Wert.
Mindesteinschraubtiefe für 10.9
| Werkstoff des Innengewindes | Mindesteinschraubtiefe für 10.9 |
|---|---|
| Stahl, niedrigfest (S235) | nicht zulässig |
| Stahl, vergütet (C45, 42CrMo4) | 32,4 mm (1,2 · d) |
| Gusseisen (EN-GJL, EN-GJS) | 40,5 mm (1,5 · d) |
| Aluminiumguss und -knetlegierung | nicht zulässig |
In niedrigfestem Stahl (S235) und Aluminium ist die Klasse 10.9 nicht zulässig: das Innengewinde würde vor der Schraube versagen, und die hohe Vorspannkraft ließe sich gar nicht erst aufbringen. Dort gehört eine niedrigere Klasse hin oder ein Gewindeeinsatz.
Woher das Moment für M27 10.9 kommt
Angezogen wird nicht auf ein Moment, sondern auf eine Vorspannkraft. Das Moment ist nur der Weg dorthin und der schlechteste Messwert, den die Montage kennt: Der weitaus größte Teil davon überwindet Reibung im Gewinde und unter dem Schraubenkopf. Nur der Rest spannt die Verbindung.
Für M27 10.9 führt die VDI 2230 über den Spannungsquerschnitt AS = 459,4 mm² und die Streckgrenze Rp0,2 = 940 MPa auf eine Montagevorspannkraft von 315880 N — bei 90 % Ausnutzung der Streckgrenze und unter Berücksichtigung der Torsion, die das Anziehen zusätzlich einträgt. Daraus folgt bei µ = 0,14 das Moment von 1570 Nm.
Die Zahl gilt für die Schraube allein. Ob die Verbindung trägt, hängt an Klemmlänge, Betriebskraft und Plattennachgiebigkeit — dafür ist die Schraubenberechnung nach VDI 2230 da. Die Gewindemaße, Kernloch und Spannungsquerschnitt stehen auf der Seite zu M27.
Anziehen in der Praxis
| Größe | Wert | Herkunft |
|---|---|---|
| Schlüsselweite SW | 41 mm | ISO 4014/4017 |
| Handkraft am 300-mm-Schlüssel | 5234 N | F = M / L |
| Drehmomentschlüssel | kein Handschlüssel mehr | über rund 1000 Nm |
| Vorspannkraft bei µ = 0,10 statt 0,14 | 425790 N (+35 %) | gleiches Moment aufgebracht |
| Vorspannkraft bei µ = 0,20 statt 0,14 | 227710 N (−28 %) | gleiches Moment aufgebracht |
M27 10.9 anziehen
Am 300-mm-Schlüssel wären dafür 5234 N nötig. Das bringt niemand sinnvoll auf: bei 300 N Zugkraft braucht es einen Hebel von 5,23 m. In dieser Größe wird mit Verlängerung, Drehmomentvervielfacher oder hydraulisch gespannt, und die Streuung des Ergebnisses steigt entsprechend.
Mit 1570 Nm liegt diese Verbindung jenseits dessen, was ein Handdrehmomentschlüssel abdeckt; die größten hören bei rund 1000 Nm auf. Angezogen wird hier mit Drehmomentvervielfacher, hydraulischem Schrauber oder hydraulischer Spannvorrichtung. Die beiden erstgenannten erben die Reibungsstreuung der Tabelle oben unverändert; die Spannvorrichtung umgeht sie, weil sie die Schraube längt, statt sie zu drehen.
Die dritte und vierte Zeile der Tabelle sind der eigentliche Grund, weshalb das Anziehen auf Moment als Verfahren so ungenau ist: Wird auf 1570 Nm angezogen und die Reibung liegt bei µ = 0,10 statt der angenommenen 0,14, entstehen 425790 N statt 315880 N — 35 % mehr. Bei µ = 0,20 sind es 28 % weniger. Die Streuung stammt nicht aus dem Schlüssel, sondern aus der Oberfläche, und kein genaueres Werkzeug behebt sie. Wer die Vorspannkraft wirklich braucht, misst den Drehwinkel mit oder längt die Schraube.
Dieselbe Vorspannkraft erreicht M33 8.8 mit 325900 N auf anderem Weg: größerer Durchmesser bei niedrigerer Klasse. Welche der beiden die richtige ist, entscheidet nicht die Schraube, sondern das Bauteil — die höhere Klasse ist empfindlicher gegen Kerben und Wasserstoff, die größere Schraube braucht mehr Platz und mehr Auflagefläche unter dem Kopf.
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